Nachhaltigkeit bei Star Glas

Beispiele aus den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales

Bio Glas?

Vor ungefähr einem Jahr kam eine Kundin in unsere Ausstellung um eine Glastür zu kaufen. Auf ihre Frage hin, ob wir grünes Glas haben, kam unsere Antwort: „Ja. Glas hat einen Grünstich, das ist das Standard Glas, welches für Türen und Duschen verwendet wird.“ Kopfschütteln der Kundin – nein, ich meine Bio Glas. Kopfschütteln bei uns. Bio Glas? Was soll das denn? Glas kann doch nicht Bio sein? Das ist doch Blödsinn und gibt es nur im Lebensmittelbereich, oder?

Die Frage nach Bio Glas hat uns dann aber doch weiter beschäftigt und wir haben angefangen zu überlegen was das bedeutet. Woher kommt das Glas, das wir verarbeiten? Aus welcher Glashütte? Wie geht es weiter? Wie nachhaltig sind wir? Und was tun wir für die Umwelt?

Im November 2020 bekamen wir dann einen Anruf von einem unserer Projektkunden. Sie benötigten eine Auskunft zu der Herkunft der Gläser die sie von uns beziehen. Womit bei uns sandgestrahlt wird & ob die Oberfläche im Nachgang geätzt werden würde. Ob es umweltschonende Alternativen zu der Bearbeitung gibt? Dieses interessante Gespräch hat uns dazu angeregt das Thema Nachhaltigkeit auf unsere Webseite zu nehmen. Und uns nochmal intensiver damit zu beschäftigen.

Zunächst die Frage:

Was ist Nachhaltigkeit überhaupt?

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll. Quelle Wikipedia

 

Was ist Nachhaltigkeit für uns?

Für uns ist es nicht die Umsetzung von etwas Großem und Tollen, sondern die vielen Kleinigkeiten im täglichen Ablauf. Dabei ist uns aufgefallen, dass Nachhaltigkeit bei uns schon sehr lange als selbstverständlich angesehen wird und fest in unseren Unternehmen verankert ist. Interessant fanden wir in diesem Zusammenhang dass das Prinzip der Nachhaltigkeit vor etwa 300 Jahren erstmals formuliert wurde. Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg Sachsen, forderte 1713 in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica", dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung durch Säen und Pflanzen wieder nachwachsen konnte und gilt deshalb als Schöpfer des forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsbegriffes [...] (Quelle: Wikipedia)

Woher kommt unser Flachglas?

Unser Hauptlieferant für Flachgläser ist in NRW ansässig und bezieht das Glas aus der Glashütte in Haldensleben, an der er eine 30%ige Beteiligung hält. Das Floatglaswerk wurde 1997 in Betrieb genommen. Die Tagesproduktion beläuft sich auf ca. 700 Tonnen Flachglas pro Tag. (Siehe: www.euroglas.com)

Die Hauptzutat für Glas bildet qualitativ hochwertiger Quarzsand. Danach folgen Soda, Sulfit, Dolomit und Kalk. Des Weiteren werden recycelte Scherben zum Prozess hinzugegeben.

Scherben bringen Glück - Glasrecycling

Und ein Teil dieser Scherben stammt von uns. Flachglas ist ein Wertstoff, den man ohne Qualitätsverluste immer wieder recyceln kann, um ihn zur Herstellung neuer Gläser zu verwenden. Dafür ist es wichtig, dass man bei der Sammlung schon richtig trennt, damit die hohen Qualitätsanforderungen der Glashütten erfüllt werden können.

Diese Glasreste werden von der Reiling Glas Recycling GmbH & Co. KG aus Marienfeld bei Gütersloh entsorgt. Einer der größten Abnehmer von Reiling ist die Euroglas in Haldensleben. So können „unsere“ Glasreste ein paar Monate später als Neuware wieder bei uns eintreffen und erneut bearbeitet werden. (Siehe: www.reiling.de)

Unsere Glasreste werden unterteilt in:

  • sauberes Flachglas
  • Spiegel
  • Isomix (mit Isolierrandverbund, Verbundglas, bedrucktes Glas usw.)

Was benötigen wir für unsere Produktion?

Wasser

Viele unserer Bearbeitungsmaschinen wie z.B. unsere CNC, unsere Schleifmaschinen, unser Wasserstrahlschneider und natürlich die Glaswaschmaschinen benötigen Wasser für die Bearbeitung. Als wir uns vor 15 Jahren dazu entschieden haben einen neuen Produktionsstandort auszuwählen, war das Thema Wasserversorgung der Maschinen ein ganz Wichtiges. Nicht zuletzt deshalb ist die Entscheidung auf unseren aktuellen Standort gefallen. Der Vorbesitzer hat in diesen Räumlichkeiten Naturstein und Marmor bearbeitet und auf dem Betriebsgelände einen geschlossenen Wasserkreislauf für die Versorgung seiner Maschinen gebaut. Unter dem Hof vor der Halle ist eine 7 Kammer Kläranlage mit einem Fassungsvermögen von 300.000 Liter. Bei geschlossenen Wasserkreisläufen ist eine mechanische und/oder chemische Kühlwasserbehandlung zwingend notwendig, daher wird die Qualität unseres Wasser regelmäßig geprüft, da es vielfach genutzt wird. Unsere CNC benötigt für die Kühlung der Spindel zwingend sauberes Frischwasser. Damit wird dem Kreislauf regelmäßig Frischwasser zugeführt und der Überlauf geht anschließend in die Kanalisation.

Strom

Wir hatten in den letzten Jahren einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 110.000 kWh. Mit unserer in 2020 installierten Photovoltaikanlage mit 99 kWp erzeugen wir prognostiziert 85.000 kWh pro Jahr und damit knapp 80 % unseres Bedarfes. Bereits 2014 haben wir unser komplettes Beleuchtungskonzept auf LED umgestellt. Die Maschinen werden nach Feierabend komplett ausgeschaltet und nicht nur im Standby Modus belassen. Zusätzlich sind Zeit Schaltuhren und Bewegungsmelder im Einsatz.

Wärme

Ebenfalls 2014 haben wir zur vorhandenen Ölheizung unseren ersten 60 KW Holzvergaser installiert. Nach 5 erfolgreichen Testjahren mit dem Scheitholzkessel, wurde im Sommer 2020 eine baugleiche Anlage für die automatische Befeuerung mit Hackschnitzeln in Betrieb genommen. Gleichzeitig haben wir die Steuerungen modernisiert und alle Pumpen auf Hocheffizienz umgerüstet. Unsere komplette Wärmeproduktion für Hallen, Büros und Wohngebäude ist jetzt zu 100% CO2 neutral mit Scheitholz und Hackschnitzel von lokalen Anbietern sowie Restholz aus angenommenen Versandverpackungen. (Siehe: kaminholz-melle.de)

Siliciumcarbid für Designmotive

Für unsere Sandstrahldesigns verwenden wir Siliciumcarbid (SiC). Hierbei handelt es sich um ein eisenfreies Mehrwegstrahlmittel mit einem harten, kantigen Korn. „SiC“ ist nach Diamant das zweithärteste Mineral. Es hat überaus hohe Standzeiten und kann in einem geschlossenen Kreislaufsystem mehrfach verwendet werden. Wir verarbeiten pro Jahr ca. 15 Tonnen Siliciumcarbid.

Das zerriebene Strahlmittel wird bei uns in Big Packs gesammelt und zwischenlagert, um sie dann zum Recycling z.B. an die Firma Kuhmichel zurückzugeben. (Siehe: www.kuhmichel.com)

Siliciumcarbid ist nicht giftig oder umweltschädlich. Es symbolisiert die beiden wichtigsten Bestandteile unserer Welt: Kohlenstoff und Silicium. (Quelle: Wikipedia)

Folien

Es ist uns leider nicht möglich in unserer Produktion komplett auf Plastik in Form von Folien zu verzichten. Wir benötigen Folien für die Herstellung und Verpackung unserer Sandstrahlgläser. Die Entsorgung von Folie, wiederverwertbaren Leichtstoffen und Folie geschieht in Zusammenarbeit mit der Firma Berg einem zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb aus unserer Region. Die Firma Berg wurde bereits im Jahr 1996 erstmals zertifiziert und darf das Gütermerkmal “Entsorgungsfachbetrieb“ führen. BERG Abfallbeseitigung | Ihr Entsorger (berg-abfallbeseitigung.com)

Siehe: Berg Abfallbeseitigung Youtube Videorundgang

Wertstoff Recycling

PMMA wird bei uns ebenfalls getrennt gesammelt, die Entsorgung erfolgt über PreZero vormals Tönsmeier Kunststoffe in Herford.

Die Entsorgung von Pappe, wiederverwertbaren Leichtstoffen und Folie geschieht in Zusammenarbeit mit Berg. Diese bereitet „Papier, Glas, Kunststoffe oder Metalle so auf, dass sie von der verarbeitenden Industrie bei der Produktion neuer Waren eingesetzt werden können. So werden aus Abfällen Wertstoffe, die in der Kreislaufwirtschaft für eine Schonung natürlicher Rohstoffe sorgen.

Speditionsversand – Grüner Versand

In der modernen Wirtschaft stehen Warentransporte ziemlich weit vorne in der Gruppe der “Klimasünder”. Denn ob Güter per LKW, Flugzeug, Schiff oder Zug von A nach B gebracht werden – es fallen Verpackungen an, Ressourcen werden verbraucht und Abgase produziert. Mit der MW 1 group haben wir einen Partner, der sich aktiv für den Klimaschutz einsetzt und als klimaneutrales Unternehmen zertifiziert ist. Zu jeder Anlieferung per Spedition können wir von MW 1 Angebote zu CO2-Kompensierung für den Transport bekommen, wenn der Empfänger dies wünscht. (Siehe: MW1 Group)

Büro und IT

Die Arbeit in unseren Büros wird immer papierloser, noch ist es uns nicht möglich, in unserem Unternehmen vollkommen auf den Einsatz von Papier zu verzichten. Aber wenn wir es nicht vermeiden können, achten wir auf die Verwendung von zertifiziertem Papier, welches bereits zu einem Teil von uns verwendet wird. Das nur das Notwendigste gedruckt wird ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Dazu gehört auch der Rechnungsversand, den wir auf E-Mail umgestellt haben.

Außerdem sind bei uns weitestgehend   toner- sowie stromsparende Drucker der Marke Kyocera im Einsatz. Sobald die Tonerbehälter leer sind, schicken wir sie zurück, so dass diese recycelt und wieder aufgefüllt werden können.

Grüne Informationstechnologie

Wir sind noch nicht (ganz) soweit von Green IT zu sprechen, aber auch hier haben wir die ersten Schritte unternommen, um unseren „Wildwuchs“, der sich in unserer Ausstattung breitgemacht hat zu beseitigen und stimmige Strukturen aufzubauen. Dabei haben wir gemerkt, dass wir einige Sachen schon richtig gemacht haben. So verwenden wir von Anfang an Open Source Software und haben eine klare Struktur in unseren Speicherorten. Auf unserem zentralem Server, der gleichzeitig auch unser File Server ist, sind alle Daten für und von jedem Mitarbeiter nur 1-mal gespeichert. Dadurch nutzen wir die Leitungskapazität des Servers so effizient wie möglich. Ein weiteres zum Einsatz gekommenes NAS (Network Attached Storage) Systems übernimmt die dezentrale Backupversorgung, dadurch konnten wir den Energieverbrauch unseres Servers verringern.

Jedem Mitarbeiter seine eigenen Listen? Das hatten wir noch nie!

Unsere Bürogeräte, z. B. Etikettendrucker sind so aufgebaut, dass sie von mehreren Mitarbeitern gemeinsam genutzt werden. Alle Arbeitsplatzrechner schalten sich nach Vorgabe in den Standbymodus.
Geräte, die nach Feierabend oder am Wochenende nicht benötigt werden, werden ausgeschaltet.

Regelmäßige IT-Prozesse z. B. Backups laufen automatisiert im Hintergrund ab, damit wir unsere vorhandenen Ressourcen effizient nutzen können. Neben dem Einsatz von Multifunktionsgeräten haben wir auch unsere Computer den Anforderungen der Arbeitsplätze angepasst und verzichten dadurch auf überdimensionierte Computer.
Siehe: www.netze-und-medien.de

Doch die oben aufgezählten Punkte stellen noch nicht das Ende unserer Möglichkeiten dar. Für die Zukunft wollen wir immer mehr versuchen, auf das Drucken zu verzichten und somit papierloser zu werden. Neben dem Einsatz von Tablets in der Produktion unternehmen wir weitere Schritte in Richtung papierloses Büro (DMS)

Kein Greenwashing

Wir wollen uns hier nicht so darstellen, dass alles was wir machen nachhaltig ist. Daher gehen wir an dieser Stelle offen und ehrlich auf das Thema Laserinnengravur ein. Seit mehr als 20 Jahren ist die Innengravur ein festes Standbein in unserem Unternehmen. Für die Flachgläser, die wir z. B. als Christallights, Walllights und Aufsteller vermarkten trifft zu, was wir über Glas geschrieben haben. Das produzieren wir selbst.
Allerdings kommt unser optisches Glas aus China. Wir importieren jährlich mehrere Container per Seefracht und in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei hohem Termindruck, auch per Luftfracht. Jetzt könnte man es schönreden, bzw. schreiben, die Containerschiffe sind ja sowie so unterwegs, die Flieger transportieren ja auch andere Frachten, und der CO2 Ausstoß wird doch kompensiert. Aber für uns gehört auch das Thema Ehrlichkeit und Transparenz zur Nachhaltigkeit. Greenwashing - das grüne Mäntelchen steht uns nicht!

Unsere Mitarbeiter

Wir fördern und fordern die Kompetenz und das Engagement unserer Mitarbeiter.
Die faire Entlohnung unserer Mitarbeiter ist in unserem Unternehmen schon immer selbstverständlich gewesen - auch vor der Einführung des Mindestlohnes. So ist eine Gewinnbeteiligung ebenso Bestandteil unseres Entlohnungssystems wie die betriebliche Altersvorsorge. Seit 2016 bieten wir unseren Mitarbeitern ein Lohnoptimierungsprogramm aus verschiedenen Bausteinen an, die individuell zusammengestellt werden. Die Abwicklung hat die ValueNet Group für uns übernommen.

Ausbildung, Integration und Inklusion

Neben der Ausbildung junger Menschen in kaufmännischen Bereich und in der Produktion, beschäftigen wir uns seit vielen Jahren mit der Integration von Menschen mit Behinderungen in das Berufsleben. In enger Zusammenarbeit und unter intensiver Betreuung des Integrationsfachdienstes bieten wir Praktika zur Erprobung an. Mittlerweile haben wir auf diesem Weg nicht nur gute Mitarbeiter gewonnen, sondern auch einen von uns ausgebildeten Flachglastechnologen.

Kaffee

Seit 2015 haben wir Fairtrade Kaffee im Einsatz. Die von uns eingesetzte Sorte Café Miraflor ist ein Eigenimport der Firma Eisbrenner aus Nicaragua. In unserer Region auch als der Bielefeld Kaffee bekannt. Das Besondere daran: Zusätzlich zu dem gezahlten Fairtrade-Preis und der Fairtrade-Prämie erhält das Welthaus Bielefeld für jedes verkaufte Kilo einen Beitrag von 50 Cent, um damit weitere soziale Projekte in Estelí zu fördern und die Lebensbedingungen in zu verbessern.
Siehe: https://kaffeewelt-eisbrenner.de/roesterei/der-bielefeld-kaffee/
Hier planen wir den Einkauf so, dass wir im Rahmen unserer Tour, den Kaffee selbst abholen, um unnötige Transportwege zu vermeiden.

Und die vielen Kleinigkeiten

die einfach dazugehören, z. B. der Verzicht auf Plastik und Einmalgeschirr in unserer Küche, das Mineralwasser in Glasflaschen, die konsequente Mülltrennung an allen Arbeitsplätzen, das Vermeiden von Kleinbestellungen, die Auswahl der Lieferanten nach Regionalität, die Pflege und Instandhaltung von Werkzeugen und und und.

Wenn Sie Fragen haben sprechen Sie uns gerne an. Natürlich freuen wir uns auch immer über weitere Ideen und Anregungen.

In der Übersicht haben wir unsere Aktivitäten gegliedert. Die klassische Trennung in die 3 Bereiche viel uns schwer, daher haben wir die Bereiche Ökonomie und Ökologie zusammengefasst. Unserer Meinung nach ist der Übergang fließend. Es liegt wohl im Auge des Betrachters wie die Klassifizierung aussehen sollte. Wichtig ist uns jedoch das Zusammenspiel aller Punkte, die wir als Unternehmen vertreten, um einen positiven Beitrag zu leisten.

Ökonomie/ Ökologie Soziales
  Ausbildung
  Integration und Inklusion
  Flexible Arbeitszeitmodelle
  Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
  Gewinnbeteiligung
  Lohnoptimierung
  Betriebliche Altersvorsorge
  Getränke zur freien Verfügung
  Fairtrade Kaffee
  Mineralwasser aus der Region
Photovoltaik Anlage  
Holzvergaser + Hackschnitzelanlage  
Umrüstung der Pumpen auf Hocheffizienzsysteme  
Wärmebedarf 100% CO2 neutral  
Umstellung der Beleuchtung auf LED  
geschlossener Wasserkreislauf für die Glasbearbeitung  
Recycling Glas/ PMMA  
Recycling Sic  
Wertstoff Recycling  
Grüner Speditionsversand  
Regionale Dienstleister  
Green IT  
Elektronischer Rechnungsversand  
Papier und Drucken  

To top

Know-How - creativity - flexibility
are not just slogans for us